Die Frühgeschichte.

Die Gegend in und um Seppenrade wurde schon in ältester Zeit von Menschen   bewohnt. Dafür sprechen Funde in den Bauerschaften und in Seppenrade selbst. Steinwerkzeuge und Urnen belegen die Anwesenheit von Menschen seit der Steinzeit. Naturgemäß ist diese Epoche weitgehend in Dunkel gehüllt, so dass Bodenfunde die einzigen Zeugen für die Existenz von Bewohnern einer Landschaft sind. Erst durch die Römer erfahren wir näheres über Bewohner der hiesigen Gegend. Die Anwesenheit der Römer auch im Seppenrader Raum ist durch verschiedene Münzfunde festgestellt. Nach Tacitus wohnte bis 98 n. Chr. das germanische Volk der Brukterer in unserem Lande. Die römischen Geschichtsschreiber erwähnen es mit Respekt. Sie schildern die Brukterer als stolz und unnachgiebig. Mit offener Schadenfreude berichten sie von dem Untergang dieses selbst bewußten Stammes, der an der Charakterbildung des münsterländischen Menschenschlages sicher nicht unbeteiligt war. Erst der gemeinsame Angriff zweier Stämme, der Chamaver und der Angrivarier konnte die Brukterer überwinden. 

Bauerschaftsnamen

Der Seppenrader Heimatforscher Bernhard Brinkmann, von 1925. bis 1952 Lehrer in der Bauerschaft Emkum,weist in seinen heimatgeschichtlichen Arbeiten für die Umgebung von Seppenrade die Chamaver als Bewohner nach. Ortsnamen mit der Endung „um“ == hem = heim sind laut Brinkmann von den damaligen Neusiedlern, den Chamaven = Niederfranken aus den heutigen Niederlanden, ihrer alten Heimat mitgebracht worden. Sie finden sich in unserer Gegend recht oft (Leversum, Emkum, Reckelsum, Tetekum) und folgen den Heerstraßen der Römer und den Flußläufen von Lippe und Stever. Orte mit der Endung „hem“ = heim = kem = kum finden sich tatsächlich heute noch in den Niederlanden; Die Chamaven konnten sich bis etwa 300 n. Chr. in unserer Gegend behaupten und wurden von den Sachsen abgelöst.   

Die germanische Zeit.

  Dieser Einblick in die germanische Zeit unserer Heimatgeschichte zeigt, daß hier die Bildung von Dauersiedlungen spätestens zu Beginn unserer Zeitrechnung einsetzte. Auch die Namen der Bauernschaften und Orte gehen zum Teil wenigstens bis in diese Zeit zurück. Direkte schriftliche Belegung der Ansiedlungen in unserer Gegend finden sich erst mit Beginn der Christianisierung, die durch den hl. Ludgerus gegen 800 eingeleitet und durchgesetzt wurde. Er genoß den Schutz Karls des Großen, der im Zuge der Ausbreitung der christlichen Lehre die Vorherrschaft der Sachsen auch im Münsterland beendete.  

Urkundliche Erwähnung.

  Der Name Seppenrade ist urkundlich zuerst 1165 belegt und zwar durch Hof- und Rittergeschlecht von Sepperothe. Überliefert wurden Gottschalk Wulf von Sepperothe und sein Bruder Rudolf, 1165-1190, ferner Alexander Wulf von Sepperothe, 1179,.und Domherr Heinrich Wulf von Sepperothe, 1181-1194. Für das Jahr 1253 wird wieder ein Gottschalk von Sepperothe erwähnt. Mit ihm scheint das Geschlecht erloschen zu sein. Eine Urkunde von 1274 nennt Peter Sagittarius als Schulzen von Sepperode. 1391 wird der Hof Seppenrade als Besitz des Hauses Wolfsberg in Lüdinghausen ausgewiesen. Die Bedeutung des Namens Seppenrade ist in ihrem zweiten Teil mit Sicherheit auf Rodung zurückzuführen. Für „Seppen“ vermuten verschiedene Autoren „Sepe, Siepe auch Sappe“ die Bezeichnung für einen Geländeeinschnitdt, Graben oder tiefe Rinne. Andere vermuten darin einen sächsischen Vornamen, nämlich Sappo oer Seppo.   

Seppenrader Hofnamen.

Alte Hofnamen aus Seppenrade sind bereits in den Heberegistern von 900 und 1150 und in dem Güterverzeichnis von 1250 des Klosters Werden erwähnt. Sie waren durch Schenkungen an Ludgerus und dann in den Besitz des Klosters gelangt. Auch die Bischöfe von Münster und das Domkapitel hatten in Seppenrade und Umgebung umfangreiche Besitzungen erworben. Viele der Hofnamen aus den alten Urkunden sind auch heute noch als Hof oder Familiennamen in unserer Gegend anzutreffen; Außer der Dorfbauerschaft sind die Bauernschaften Ondrup (Oldendorp = Altes Dorf), Leversum (Leverekesh`eim), Emkum (Emmichem), Reckelsum (Rikolveshem) und Tetekum (Tottingheim) teils bereits vor 900 urkundlich erfaßt. Außer Seppenrade und Ondrup weisen die Namen der übrigen Bauerschaften auf niederfränkischen Einfluß hin. Sicher haben sie in dem Chamavelr-Einfall gegen Ende des ersten .Jahrhunderts nach unserer Zeitrechnung ihren Ursprung.   

Kirchliches Urkundlich.

  1184 wird Seppenrade erstmalig als Pfarre urkundlich erwähnt. Von 1289 datiert eine Nachricht von Henr. Plebanus, dem ersten namentlich bekannten Pfarrer von Seppenrade. Die erste Kirche scheint bereits um 900 erbaut worden zu sein. Wahrscheinlich löste sie eine heidnische Kultstätte ab. Der Name Dornkamp (Donarkamp) aus ihrer Nachbarschaft legt diesen Schluß nahe. Die ersten Spuren der Erdbestattung, nämlich Baumsärge, vermutlich aus dem 10. Jahrhundert wurden 1882 bei den Ausschachtungen für die Fundamente der jetzigen Kirche entdeckt. Von drei Schichten mit Särgen waren die mittlere etwa zur Hälfte und die untere ausschließlich mit Baumsärgen belegt. Bei den jüngeren Bestattungen wurden Brettersärge verwandt. Die Vorgängerin der heutigen Kirche wurde im 15. Jahrhundert; erbaut und gegen 1600 und um 1771 erweitert. Der Hochaltar dieser Kirche stammte aus der Jakobikirche, auch alter Dom genannt, in Münster. Teile davon wurden für den heutigen Altar übernommen. Bei ihrem Abbruch 1885 fand man die Grundmauern einer noch älteren kleinen Kirche. Auch diese müßte noch eine Vorgängerin haben, weil die ersten Kirchen aus Ludgerianischer Zeit in der Regel Holzbauten waren. Die Bauzeit der neuen Kirche dauerte von 1882-1885.Die Glocken wurden 1654, 1678 und 17914 gegossen. Dieser Kirchbau wurde ohne fremde Hilfe von den Seppenrader Bürgern finanziert. Die heute noch vorhandenen Kirchenbücher von Seppenrade reichen leider nur bis 1722 zurück. Die älteren sollen bei einem Brand zerstört worden sein.  

Lehnherr und Leibeigenschaft.

  Weitere Aufzeichnungen aus den frühen Jahrhunderten dieses Jahrtausends über Seppenrade, die sich meistens in Heberegistern und alten Protokollen, der mit Seppenrader Höfen belehnten Häuser finden, berichten in der Regel über Abgabepflichten und den Wechsel der Nutznießer dieser Höfe. Das System der Lehnsherrschaft und der Leibeigenschaft gestattete keine sprunghafte Entwicklung in technischem oder wissenschaftlichem Sinne. Die Menschen waren an ihre Arbeit gebunden. Der Einzelne sah die Höhen und Tiefen des Lebens fast ausschließlich in persönlichem Glück und Unglück und dem der engsten Nachbarschaft.   

Die Gilden.

  Einen wichtigen Anteil am Leben auf dem Lande hatten die Gilden. lhr Ursprung geht weit zurück, wohl bis zum Ende des ersten Jahrtausends. Wahrscheinlich waren sie mit den Bauernschaften identisch. lhr erster und letzter Sinn war die gegenseitige Hilfeleistung. Später entwickelten sich aus den Gilden gesellschaftliche Gepflogenheiten. Jedoch hatten die Landgilden kaum obrigkeitliche Unterstützung und wurden einzig von dem Bedürfnis nach Zusammenschluß und Beistand getragen. Aus diesen Gründen sind uns nur wenige Einzelheiten aus dem Gildenleben überliefert. lm Kreis Lüdinghausen werden ländliche Gilden erstmals 1609 in Urkunden genannt. Es ist anzunehmen, daß auch die Schützengilden aus der Tradition der ländlichen Gilden entstanden sind.   

Dorf Struktur.

  Das Dorf Seppenrade wies gegen 1300 vier Haupthöfe aus. Um 1627 lebten im Dorf und in den Bauerschaften etwa 1100 Menschen. 1708 war die Anzahl der Einwohner auf 2087 gestiegen. Für das Jahr 1818 wurde uns die Zahl von 2261 Bewohnern überliefert, die bis zum Jahre 1905 auf 2456 angewachsen war. 1917 hatte Seppenrade 4638 Einwohner.   

Seppenrader Schulwesen.

  Das Schulwesen in Seppenrade kam nach den einschlägigen Urkunden erst 1670 in Gang. Obwohl bereits 16141 ein zur Kirche gehörendes Haus als frühere Schule bezeichnet wird, gab es noch keinen geregelten Schulunterricht. Lediglich der Küster hielt gelegentlich Schule ab. Doch für 1670 ist der erste Seppenrader Lehrer belegt. Durch eine Stiftung wurde der Unterhalt des Schulmeisters ermöglicht. Nun konnte sich das Schulwesen in Seppenrade ständig weiter entwickeln. 1771 bestehen bereits drei Schulen, außer im Dorfe, in Leversum und in Tetekum. Später kamen auch die übrigen Bauerschaften zu eingenen Schulen. 1868 wurde die Dorfschule um eine eigene Mädchenklasse erweitert und zusätzlich eine Lehrerin eingestellt. Begüterte Bürger schickten ihre Kinder auch an auswärtige Schulen, z. B. nach Münster.   

Notzeiten in Seppenrade.

  Seppenrade wurde von Notzeiten nicht verschont. Aus alten Berichten hebt sich der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) mit seinen unvorstellbaren Drangsalen als die wohl schlimmste Prüfung unserer Vorfahren hervor. Einmal waren es die immer maßloseren Abgaben an die Verbündeten der katholischen Liga und zum anderen die Schikanen der feindlichen Kriegsvölker. Es wurde überliefert, daß besonders hessische und dänische- Truppen auf unmenschliche Weise im südlichen Münsterland gewütet haben. Sie überfielen die Orte und Bauernschaften, brandschatzten, mordeten und schändeten. Sie nahmen den Bauern das Vieh und Getreide weg. Durch Verschleppung von Angehörigen erpreßten sie die Familien zur Hergabe der letzten Habe. Auch die Pest verschonte unsere Heimat nicht. Sie brach 1635 in Herbern aus, wo ihr allein in diesem .Jahr 1700 Menschen zum Opfer fielen. ln Herbern war die Hauptmacht der feindlichen Truppen stationiert. Auch 1636 und 1637 wird die Pest noch in Lüdinghausen und Umgebung, sowie in Selm, Bork und Werne gemeldet. Allein die materiellen Opfer dieses Krieges haben ungeheure Ausmaße gehabt. Das ist durch lange, gewiß nicht vollständige Listen in verschiedenen Archiven belegt. Von Seppenrade sind ebenfalls solche Aufzeichnungen gemacht worden. Große Not kam mehrfach durch Feuersbrünste über die Menschen von Seppenrade. So sind von 1721 und 1728 Totalbrände überliefert. 1723 sollen ebenfalls dreiunddreißig Häuser abgebrannt sein.  

Verwaltung von Seppenrade.

  Die Gemeinde Seppenrade unterstand von 1180 bis 1803 ihrem damaligen Landesherrn, dem Bischof von Münster. lm Jahre 1803 wurde durch Reichsbeschluß den Kirchenfürsten die weltliche Macht abgesprochen. Seppenrade kam an Preußen. Nach dem Tilsiter Frieden, um 1807, mußte Preußen das hiesige Gebiet an das Großherzogtum Berg abtreten. Als Herr dieses Hauses fungierte zu der Zeit ein Schwager Napoleons l. So wurde die Gemeinde Seppenrade innerhalb des sogenannten Department; Lippe, mit Dortmund als Hauptstadt, dem französischen Kaiserreich angegliedert. Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813, kam Seppenrade wieder zu Preußen. In diese Zeit fällt für unsere Heimat; die Befreiung von der Leibeigenschaft und den Lehnsabgaben, die jahrhundertelang das Leben unserer Vorfahren bestimmt; haben. Einer neuen Zeit, unserer Zeit, war der Weg bereitet.  Von 1815 bis 1837 war Seppenrade mit den Gemeinden Lüdinghausen-Stadt und Lüdinghausen-Kirchspiel zu einer Bürgermeisterei zusammengeschlossen. Die Verwaltung besorgte bis 1822 der Rentmeister des Domkapitels, Funke. Er wurde von dem Beigeordneten Hülswitt abgelöst.   

Die Gemeinde Seppenrade.

  Dessen Nachfolger wurde Bürgermeister Röhr. Auf Grund der Preußischen Städteordnung wurden die Gemeinden 1837 wieder getrennt. Dem Kirchspiel Lüdinghausen und der Gemeinde Seppenrade blieb jedoch eine gemeinsame Verwaltung erhalten, deren Leitung Bürgermeister Röhr übernahm. Die "Steinsche Selbstverwaltung“ brachte durch die Landgemeindeordnung vom 31. 10. 1841 der Gemeinde Seppenrade eine eigene Gemeindeverwaltung und einen eigenen Gemeindevorsteher. Mit diesem Posten wurde Amtmann Röhr betraut. Er hatte ihn bis 1855 inne. Die Eigenständigkeit der Gemeinde Seppenrade wurde noch durch einen eigenen Polizeisergeanten unterstrichen. Alle Mitteilungen und Bekanntmachungen wurden sonntags nach dem Hochamt von dem Polizeidiener verlesen. Er stand dabei auf einem Stein auf dem Kirchplatz. Diese Form der Information erhielt sich bis ins 20. Jahrhundert. Die Verwaltungsaufgaben in der Gemeinde wurden immer vielseitiger. Anfang dieses Jahrhunderts bekam Seppenrade seinen ersten Standesbeamten. Dieses Amt übte ein Seppenrader Bürger aus. lm Zuge dieser Weiterung wurde im Dorf eine Verwaltungs-Nebenstelle des Amtes Lüdinghausen geschaffen, der auch Räume für die freiwillige Feuerwehr angeschlossen wurden.  

Entwicklung und Infrastruktur.

Die wirtschaftliche Struktur Seppenrades hat im Laufe der Zeit Wandlungen erfahren. Anfang des 19. Jahrhunderts waren als Ergänzung zur Landwirtschaft verschiedene kleine Hausgewerbebetriebe entstanden, die sich vornehmlich mit der Hausweberei befaßten. Auch Versorgungshandwerker für die Landwirtschaft hatten sich im Dorfkern niedergelassen. Neue Erkenntnisse in der Bodenbearbeitung und die Anwendung des Kunstdüngers, gaben der Landwirtschaft einen Aufschwung und ermöglichten den Bauern eine wirtschaftliche Bearbeitung ihrer teils sandigen Heideböden. Bis heute ist die Landwirtschaft Haupterwerbsquelle der Seppenrader geblieben. Einen Anschluß an die lndustrialisierung fand Seppenrade nicht. Die Suche nach Bodenschätzen brachte keine abbauwürdigen Funde. Durch den Bau der Eisenbahnlinie Dortmund-Enschede im Jahre 1875 erhielt Seppenrade eine Verbindung zum arbeitsplatzreichen Ruhrgebiet. Der Dortmund-Ems-Kanal, der das Gebiet der Gemeinde Seppenrade berührt, wurde 1892-1898 erbaut. Diese wichtige Wasserstraße hat in den letzten Jahren Seppenrade in Verbindung mit der Stadt Lüdinghausen zu einem interessanten Ansiedlungsgebiet für Industriebetriebe heranwachsen lassen. Hierzu trugen auch der Bau der Bundesstraßen 58 und 474 bei. Beide Straßen kreuzen sich im Dorfkern und haben vor einigen Jahren im Rahmen des Kreuzungsausbaus zu einer Ortskernsanierung geführt. Die Initiative Seppenrader Bürger hat daran entscheidenden Anteil. iniinzwischen sind die engen Grenzen des Dorfkerns gesprengt und durch Erschließung neuer Wohngebiete erheblich erweitiert worden. Außer einer neuen evangelischen Kirche hat das Dorf eine Hauptschule, ein großes Schwesternerholungsheim, eine Trauerhalle, das Jugendheim, die große Festhalle und eine Reithalle erhalten. Ein großzügig projektiertes Sportzentrum ist geplant. Die wesentliche Voraussetzung für weiteres gesundes Wachstum der Gemeinde Seppenrade sind ausreichende Flächen -zur Schaffung neuer Wohngebiete. Sie kommen dem heutigen Trend „gesundes Leben auf dem Lande“ entgegen und könnten zur Grundlage neuer Initiativen für wirtschaftliche Expansion werden. Quellen und Literatur. Als Quellen zu diesem Thema standen zur Verfügung: Schwieters „Geschichtliche Nachrichten“, Hömberg „Lüdinghausen“, die Sammlungen der Lehrer Brinkmann und Heeger aus dem Archiv der Gemeinde Seppenrade.

Quellen und Literatur.

Quellen und Literatur. Als Quellen zu diesem Thema standen zur Verfügung: Schwieters „Geschichtliche Nachrichten“, Hömberg „Lüdinghausen“, die Sammlungen der Lehrer Brinkmann und Heeger aus dem Archiv der Gemeinde Seppenrade.